Machtspiele
ein Kapitel aus "Der Meisterfinder" - Pillo Nummer 2
holgerjonas.com - Du bekommst hier für Dich wahres emotionales Wachstum erfolgreich Hilfreiches für Deine Dir wichtigen persönlichen Anforderungen.
Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben
holgerjonas.com Kontakt/Info/Impressum Datenschutzerklärung

Startseite - home > Momentaufnahmen > Machtspiele ein Kapitel aus "Der Meisterfinder" - Pillo Nummer 2
Machtspiele
ein Kapitel aus "Der Meisterfinder" - Pillo Nummer 2

Vor einigen Tagen war ich wieder einmal im Krisengebiet. Mein letzter hier dokumentierter Besuch ist schon ein paar Jahre her. Was hat sich verändert? Ist es ruhiger geworden? Konnten sich die führenden Parteien innerhalb dieser Region einigen? Was hat sich zwischen den beteiligten Parteien an neuen fördernden Kontakten getan? ...gibt es eine friedvollere Zukunft?

Mit diesen Gedanken gehe ich am frühen Morgen des gleichen Tages, an dem der Bericht von damals begann, durch die Reihen der offensichtlich immer noch verfeindeten Parteien. Es scheint inzwischen kleinere Splittergruppen zu geben, die auf eigene Rechnung ihren Interessen nachgehen. 

„Halt! Sie müssen stehenbleiben.“ Der strenge Ton passt so gar nicht zu dem Lächeln der kleinen blonden Frau. Bereitwillig bleibe ich abrupt stehen. Und jetzt? Ja, so einfach kann es sein: ich werde um eine Spende für eine der neuen Splitter-Parteien gebeten. Sie ist mit ein wenig Kleingeld zufrieden und bedankt sich sogar im Namen der einen, für mich noch unbekannten Gruppe. „Wir sind schon mit wenig zufrieden. Anders als die da vorne, die Großen. Na, die haben allerdings auch mehr Kosten“. Und dann ist ihre Aufmerksamkeit von mir weg, da vorne kommen ihre nächsten Opfer. Das sieht aus wie Touristen. Krisengebiets-Touristen und dann am heißesten Tag des Jahres. Wahrscheinlich wissen die nicht einmal, was hier wirklich abläuft.

Im Weitergehen entdecke ich den Späher der ersten großen Gruppierung. Er hat sehr genau beobachtet, das ich eben gerade etwas gespendet habe. Sicher bin ich gleich wieder dran, denn Geldmittel sind für alle hier sehr wichtig. Es sind eben enorme Materialkosten, die hier alle sehr belasten. Da kommt schon ein sehr kleiner, dicker Rotgesichtiger auf mich zu. Doch dann.. plötzlich ist alles anders, Alarm. 

Aufgeregtes Gemenge beim Materiallager. Offensichtlich ist es einigen Eindringlingen gelungen aus dem noch nicht gesicherten Materialeingangsbereich Teile zu entwenden, die in einigen Stunden sicher dringend benötigt werden. Sofort wird ein Team von mehr oder weniger Freiwilligen hinter den jetzt Flüchtenden losgehetzt. Und es gelingt den Verfolgern tatsächlich einen kleinen Teil des Materials wieder sicher zurückzuholen. Ein anderer Teil geht unter dem lauten Gejohle der Diebe in Flammen auf. Es scheint dieser Gruppe Freude zu bereiten Schaden zuzufügen, auch wenn sie dafür einiges einstecken müssen. 

Durch das ganze Durcheinander bin ich aus dem Einflussbereich aller Gruppen auf neutrales Gelände entkommen. Hier kann ich jetzt aus der sicheren Entfernung meinen Gedanken freien Lauf lassen. Wie war das noch vor ein paar Jahren... es begann am frühen Morgen... 

Im Morgengrauen ist noch alles ruhig. Die Nachtwache hat eine Nacht ohne besondere Vorkommnisse hinter sich. Trotzdem spürt man die Unruhe, die in jedem der Beteiligten steckt. Man weiß heute abend wird es heiß, heute abend werden Tausende, Zehntausende direkt beteiligt sein. Was war in der letzten Nacht? 

In der letzten Nacht wurde der Unterstand zerstört, er war nur kurz nicht ausreichend gesichert und schon war es passiert. Die Gegner kamen ungesehen wieder auf ihr Territorium. Es muß sehr schnell gegangen sein. Zu schnell, um noch eine Verteidigung zu organisieren. Zumindest waren keine Verluste an Menschen zu beklagen, der Verlust an Material wurde durch neue Lieferungen, an den feindlichen Lagern vorbei wieder ausgeglichen. Heute sehr früh wurde hart gearbeitet, damit der Unterstand wieder benutzbar wurde. Er ist jetzt von allen Seiten gesichert und bietet eine geschützte Aussicht auf den Materialplatz. Es wird langsam hell...

Jetzt kommt zögernd die Sonne durch, ein strahlender, aber kalter Tag kündigt sich an. Die müden fröstelnden Wachen werden verstärkt. Aufmerksam, wenn auch noch ein wenig schläfrig, werden die jetzt auch langsam reger werdenden Gegner beobachtet. Jede noch so kleine Bewegung im nahen feindlichen Lager wird registriert. Unabhängige Kommissionen und stille Beobachter sind offensichtlich gar nicht so unabhängig und still. Immer wieder werden unschätzbare Informationen über die Gegner streng vertraulich preisgegeben. Man scheint in unserer verunsicherten Führung mit einem erneuten Angriff zu rechnen. Noch einmal würde man die Zerstörung des Unterstandes und einen eventuellen Materialverlust nicht schadlos überstehen. Also muß man ungewöhnliche Gegenmaßnahmen ergreifen die wirken, ehe der Feind mit einem massiven Angriff die Lage zu seinen Gunsten entscheidet. Wie kann das wohl gehen?

Die besten und schnellsten Leute werden ausgesucht. Es muß wie der Blitz innerhalb von wenigen Momenten agiert werden. Ehe der auch noch müde Feind begreift, was los ist, muß diese unangenehme Sache erledigt sein. Mindestens eine zu kidnappende Geisel, die beim Feind eine strategisch wichtige Funktion hat, muß im vorderen Bereich der eigenen Anlagen sichtbar und doch sicher inhaftiert werden. Die wahrscheinlich einzige Möglichkeit den Feind an dem befürchteten Generalangriff zu hindern, bevor die unsere längst überfällige Verstärkung da ist. Ob es uns gelingt?

Jetzt treffen die ersten röhrenden hoch beladenden LKW´s mit dringend benötigtem Material ein. Beim immer beobachteten Feind scheint sich das gleiche arbeitssame Treiben abzuspielen. Das ist genau der richtige Moment. Jetzt muß es blitzschnell gehen. Gleichzeitig müssen die eigenen Wachen verstärkt werden. Alle müssen zusammenarbeiten, nur dann kann es gelingen. Jetzt oder nie...

Tatsächlich, es gelingt unbemerkt in den gegnerischen Vorhof zum Kommandoplatz einzudringen. Dort sind alle übernächtigten Gegner mit der vollen Aufmerksamkeit bei den schwer zu bewegendenden Materialanlieferungen. Jetzt muss es geschehen. Der etwas unaufmerksame Leiter des gegnerischen Angriffs ist einen kurzen Moment allein, etwas Abseits von den anderen. Er wird blitzschnell überwältigt, sofort möglichst leise abtransportiert und mit jetzt großer Aufmerksamkeit erzeugenden Krach in das schnell erstellte, stark bewachte Gefängnis geschafft. Und nun...

Ein greller Aufschrei des blanken Entsetzens geht durch die Reihen des aufgeschrekten Feindes, als dort in Windeseile bekannt wird, was geschehen ist. Durch von uns gesteuerte gezielte Information der unabhängigen Beobachter und unseren gewollten Lärm ist das in wenigen Minuten der Fall. Ungeheuerlich: Geiselnahme ist eigentlich verboten. Es wird sicher wieder irgendwelche Kommisionen geben, die hier später etwas untersuchen können. Aber, es ist erreicht: der Feind wird nicht mehr angreifen, solange die Geisel sicher bei uns inhaftiert ist. Die Zeit scheint schneller zu Laufen, ein Wettlauf mit den Uhrzeigern hat begonnen.

Es geht um immer schneller laufende Stunden, in denen die Geisel sicher in Gewahrsam bleiben muß. Diese wenigen verbleibenden Stunden werden genutzt um Material zu häufen, anzuhäufen. Beim ungeliebten Feind findet das Gleiche emsige Treiben statt. In kurzer Zeit ist dort der Schock der Geiselnahme überwunden und jetzt konzentrieren sich beide Seiten nur noch auf die Vorbereitung der abendlichen Materialschlacht. Wer wird es schaffen? 

Die "unabhängigen" Beobachter und "neutralen" Kommissionen sind kurz davor doch noch massiv in das Geschehen einzugreifen. Es geht schließlich heute um alles oder nichts. Nach Stunden härtester Arbeit auf beiden Seiten, ist es schließlich so weit. Jetzt wird die Geisel freigelassen, da zu diesem Zeitpunkt keine Angriffe mehr erfolgen werden, weil sie nicht mehr erfolgen können. Überall sind jetzt unparteiische Menschenmassen, menschliche Schutzschilde am Werk. 

Es sind inzwischen unübersehbare Menschenmassen eingetroffen, die zwischen den schweissnassen Parteien stehen. Zehntausende (oder sind es gar Hunderttausend) wollen heute abend das Schauspiel beobachten. Kaum einer von ihnen weiß um die Machtspiele, die hier seit Wochen abgelaufen sind. Die wirklichen Hintergründe sind nur den hier wohnenden Insidern bekannt. So sind eben die Vorspiele zu den Osterfeuern in Blankenese. Wer hat heute abend wohl das grösste Feuer? 

Osterfeuer 2004 ...mehr Bilder jetzt klicken...mehr

Hier jede Menge Fotos zu den Machtspielen  ...mehr

 
Startseite - home Kontakt/Info/Impressum